AUF DEM TROCKENEN
IM OSTEN DER INSEL MACHEN WIR BEKANNTSCHAFT MIT DER DÜRRE UND EINER UNGEWÖHNLICHEN UNTERKUNFT. DRITTER TAG UNSERER
TOUR AUF DEM ÖLANDSLEDEN
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| Fix und pferdig: Gefallenes Ross |
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| Kosten im Osten: Strandzugang und Klo bei Bjärby |
Wir stehen am Ostseestrand und reiben uns den Schlaf aus den Augen.
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Lange Leitung: E-Zaun und |
Erneut. Wir wollen baden, so wie gestern, aber vor allem brauchen wir Wasser. Im Idealfall ohne Salz drin. Beides gestaltet sich schwierig. Ganz besonders, wenn man keine Quallen im Wasser haben möchte.
Die Versorgungslage hat sich drastisch verschlechtert. Gestern gab es regelmäßig Geschäfte, heute haben die Dörfer nichts außer gelegentlich einem abzweigenden Weg über die Weiden bis zur fernen Ostsee, an dessen Ende ein Strand und Campingplatz wartet. Kaum nähern wir uns dem Gebäude, kommt ein hoffnungsvoller Schwede und fragt, was wir brauchen. So früh am Vormittag rechnet er bestimmt noch nicht mit Übernachtungsgästen, oder? Einen Strand und eine Toilette, antworte ich, und beides gibt es. Mein sehr optimistischer Begleiter fragt zudem nach Duschen, aber die können Nicht-Übernachtungsgäste natürlich nicht einfach nutzen, auch nicht gegen Gebühr.
Das Klo bucht 10 Kronen von der Karte ab. Im Inneren finden wir dann erst einmal ein langes Schild, dass uns in drei Sprachen erklärt, wie knapp das Trinkwasser auf Öland ist und dass wir doch bitte sparsam sein sollen. Die Campingplatzleitung muss zusätzlich zu dem, was aus der Campingplatzleitung kommt, auch Wassertanks dazukaufen, um den Bedarf eines normalen Campingplatzes zu decken. Hmm, diese Bitte verträgt sich nicht so richtig gut mit unserer Absicht, all unsere Trinkflaschen unter dieses Waschbecken zu quetschen und aufzufüllen, so weit es der Neigungswinkel der Flasche zulässt. Aber was sollen wir machen, wir haben Durst? Wir spenden noch weitere 10 Kronen, das sollte die Kosten hoffentlich decken.
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| Quallvoll: Ostseestrand bei Bjärby |
Anschließend gehen wir baden. Hinter einer niedrigen Düne, bewachsen mit hellen Bäumen und Sträuchern, wartet der Sandstrand an Ölands. An der Ostküste sind die Strände nicht dem schmalen Kalmarsund zugewandt, sondern der zentralen Ostsee. Heißt: Kein Land am Horizont, der Strand ist genauso schmal, aber es wurden mehr Algen angespült. Und mehr Quallen. Der erste Meter Ostsee enthält mehr Glibber als Wasser, und der letzte Meter Strand enthält mehr Glibber als Sand. Träge schwappen die Wellchen heran und liefern weitere Quallen dem Tod durch Sonne aus, aber unser Mitleid hält sich in Grenzen.
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| Verloren: Qualle mit Ohren |
Mist. Was ist das für eine Art, harmlose Ohrenquallen oder irgendwas Schmerzhaftes? Sie haben vier Bögen, die wie Ohren aussehen, aber eigentlich Geschlechtsorgane sind. Aber die leuchten in einem intensiven Rotviolett, deutlich farbenfroher als die Ohrenquellen, die ich aus Mecklenburg kenne. Das Internet sagt: Kein Ding, sind trotzdem Ohrenquallen. Unabhängig davon ist es natürlich nicht im engeren Sinne angenehm, beim Schwimmen gegen einen Glibberkörper zu stoßen oder jeden Moment damit zu rechnen.
Mein wissbegieriger Begleiter recherchiert die nächste Frage, denn er will wissen, ob diese Insel für den Hunde-Wohnmobilurlaub in Frage kommt. Daher fragt er die KI seines Vertrauens folgenden grandiosen Satz: Wie viele Ohrenquallen darf mein Labradoodle fressen, bevor es gesundheitlich bedenklich wird? Die Antwort ergibt überraschend viel Sinn: Das Nesselgift ist auch für Hunde harmlos, aber so eine Quallenzelle ist größtenteils mit Meerwasser gefüllt, und das sollte ein Hund natürlich nicht literweise fressen. Und bei Öland ist die Ostsee durchaus wieder salziger.
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| Überbrücken: Alte und neue Flussquerung |
"Njaa, du kennst unsere Hunde nicht. Die schlabbern auch gerne mal Ostseewasser in sich rein."
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| Nasswald und Asphalt: Feuchtgebiet an der Straße |
Zurück auf der geraden Straße rasen wir in Richtung Norden. Erste kleine Wälder säumen die Straße, davor ein sumpfiger See und eine sehr niedrige historische Kalksteinbrücke. Anderswo liegen kleine Heuhaufen über der Wiese verteilt wie Tupfen. Der Ölandsleden schlägt ein paar Schleifen über Feldwege vor, die wir aber nicht alle mitmachen, die Ostsee bekommt man auch dort nicht Gesicht.
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Im Inselinneren: |
Als die Route dann aber generell ins Innere der Insel abbiegt, folgen wir ihr. Jetzt wird es grüner, verwinkelter und zugewachsener, große und kleine Straßen ziehen sich zwischen den Gehöften hindurch. Manche haben Hofläden, von denen aber ungewöhnlich viele einfach Blumen verkaufen, womit sie sich erstaunlich schlecht an die Nachfrage hungriger Radler angepasst haben.
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| Dasselbe in Grün: Straßen in der Inselmitte |
Auf einem Grundstück steht ein Rasttisch, allerdings hinter einer Kalksteinmauer, also sind wir nicht ganz sicher, ob wir da rasten dürfen. Die Bänke vorhin haben wir links liegen gelassen, denn es war noch nicht mal 12. Aber jetzt grummelt mein Magen, und natürlich will kein Rastplatz auftauchen. Ich kann nicht mehr, wir biegen ab auf einen wilden Waldweg und suchen uns einen Stein mit einer möglichst geraden Oberseite, um den Kocher darauf abzustellen.
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| Holz und Hitze: Kocher im Wald |
Satt geht es jetzt weiter in Richtung Norden. Viele Scheunen und Häuser haben eine spezielle Farbkombination: Das skandinavische Ferienhausrot in etwas dunkler, aber einige Balken, Fensterrahmen und Tore sind bestrichen mit pechschwarzem Pech. Danke, jetzt muss ich an die Große Koalition denken.
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| Kein hölzernes Lächeln: Skulptur und schwarz-rote Scheune |
Und ja, immer immer ziehen Pferdeweiden vorbei. Auf einer davon liegt das Pferd im Gras. Oh Schiete, was ist da los, soll ich den Besitzer verständigen? Die liegen doch normalerweise nicht, oder? Mein Gott, ich habe echt keine Ahnung von Pferden. Abermals muss das Internet herhalten, und die Antwort ist beruhigend: Die legen sich durchaus manchmal zur Entspannung hin. Solange es keine hektischen Bewegungen, Krämpfe oder vergebliche Aufstehversuche gibt, ist wahrscheinlich alles gut. Aber das Pferd hebt nur ab und zu den Kopf oder den Schweif, um Fliegen zu verscheuchen, und sieht dabei eigentlich recht gechillt aus.
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| Recht eckig: Öländische Kalksteinmauern |
Nun sind wir auf der nördlichen Hälfte der Insel angekommen. Das Land wird wieder offener, die Mauern noch rechteckiger, und die Insel insgesamt schmaler. Die Ost- und Westroute des Ölandsleden rücken auf wenige Kilometer aneinander heran, berühren sich bei Borgholm sogar fast. Wir halten uns nicht immer genau an die Route und springen zwischen der Ost- und Westseite hin und her. Um den Text hier aber nicht zu verwirrend zu gestalten, trenne ich in dieser Beschreibung sauber zwischen Ost- und Westroute. Auch wenn das heißt, dass in diesem Beitrag nicht allzu viel passiert und die besten Landschaften erst drei Posts später kommen.
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| Fast ganz in Weiß: Dorfkirche |
Die Dorfkirchen bestehen zweifellos auch aus Kalkstein, sind aber wie die Leuchttürme weiß angemalt. Die rechteckigen Kirchtürme sind seltsam: Sie enden abrupt, als hätte sie jemand abgeschnitten. Obendrauf sitzt dann noch ein weißer, kleiner Würfel für die Glocken. In einem Fall ist der Würfel gelb und sieht damit aus wie ein göttlicher Briefkasten, in den sich nur unter großem Aufwand Gebete einwerfen lassen.
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| Yogarten: Hof in Marsjö |
Daher wende ich mich wieder weltlicheren Dingen zu, zum Beispiel dem Akku des E-Bikes. Und muss mit Schrecken feststellen: Da sind nur noch zwei Striche. Es kostet wirklich viel Energie, mit meinem Freund mitzuhalten. Vielleicht ist es Zeit, ein wenig Wasser, Strom und Komfort zu tanken. Ob es bei Booking wohl Unterkünfte in der Nähe gibt?
Gibt es. Die eine ist teuer, die andere ungewöhnlich. Es handelt sich nämlich um ein Bo & Yoga Vandrarhem, also eine Wohn & Yoga Jugendherberge.
Warum nicht? Das ist eine Art von Übernachtung, die ich eindeutig noch nicht hatte.
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| Farbenfreuden: Galerie in der Scheune |
- Mein pointierter Begleiter -
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| Knirschen statt pirschen: Kiesweg bei Marsjö |
In der Scheune malt eine Künstlerin Bilder von Sonnen und Silhouetten in allen möglichen Farben. Sie mietet sich hier öfter mal ein und hilft in der Unterkunft, denn auf Öland hat sie mehr Ruhe als auf ihrer sehr touristischen Schäreninsel bei Göteborg.
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| Veganicht so schlecht: Frühstück in Marsjö |
Den ganzen trocken-idyllischen Bauernhof kauften sich vor einigen Jahren eine Business-Beraterin/Yogalehrerin und ihr Mann, ein Armeeoffizier im Ruhestand. Sie wollten darin ein Hostel aufbauen, das ganz der Yogo-Philosophie folgt. Und der freundliche Herr an der Rezeption sieht ziemlich genau so aus, wie man sich jemanden in einer solchen Unterkunft vorstellen würde. Wir erhalten einen Zimmerschlüssel, der keine Nummer hat, sondern den Namen Blomsteränget (Blumenwiese). Der Spiegel im Zimmer zeigt unsere Gesichter inmitten der Worte Du bist wertvoll. Fernsehen und WLAN gibt es nicht, aber wer sich beschäftigen möchte, findet im Gemeinschaftsraum Brettspiele, Ausmalbücher und Stifte. Das vegane Frühstück kostet extra, die Klangschalensitzung am Abend und das Yoga am Morgen sind im Preis inbegriffen. Aber nur, wenn sich rechtzeitig mindestens drei Leute auf dem Whiteboard eintragen. Die Klangschalen seien sehr gut zum Einschlafen, das Yoga zum Wachwerden, warb der Rezeptionist. Dann ist es ja gut, dass beide Programmpunkte zur korrekten Tageszeit platziert wurden.
Am nächsten Morgen sind wir wirklich noch nicht ganz wach und lassen uns darauf ein. Wir betreten einen Raum mit mehreren Gongs, von denen kein einziger benutzt werden wird, und nehmen Platz auf einer Matte mit einem Haufen ordentlich platzierter Kissen, von denen kein einziges gebraucht wird und die mir im Gegenteil ständig im Weg sein werden. Wie erwartet und angekündigt geht es hier weniger darum, gleich hochkomplexe Verrenkungen wie den Herablassenden Hund durchzuführen. Stattdessen soll man sich erst mal ordentlich strecken und schütteln, und zwar mit geschlossenen Augen, damit es nicht peinlich ist, wie doof man dabei aussieht (das funktioniert besser als gedacht). Gegen Ende kamen dann ein paar ganz minimale Verrenkungen dazu, an denen sogar ich nur teilweise scheiterte. Extra für uns erklärte die Lehrerin auch alles auf Englisch, aber mindestens so wichtig wie die Sprache ist es, auch hinzugucken, was genau uns da gerade vorgemacht wird. Was dann zum Problem wird, wenn man nicht rafft, dass man die Augen inzwischen wieder öffnen darf.
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| Am Ende des Gonges: Yogaraum |
War ich hinterher wacher? Eindeutig.
Hätte ich diese Wachheit auch durch zehn Minuten radeln erlangen können? Ich bin nicht sicher.
Aber war diese Unterkunft genau das Richtige für diesen Punkt der Reise? Ich glaube schon.























































