MÄNNER, DIE AUF STEINE STARREN
AN DER OSTKÜSTE ENTDECKEN WIR DEN SPEKTAKULÄRSTEN ABSCHNITT DES INSELRUNDWEGS UND DIE BESTE STADT ÖLANDS, BEVOR WIR UNS DER ULTIMATIVEN HERAUSFORDERUNG STELLEN: DIE INSEL WIEDER ZU VERLASSEN. LETZTER TAG UNSERER TOUR AUF DEM ÖLANDSLEDEN
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Steinreich: Die halb abgebauten Klippen am Küstväg |
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| Abgestumpft: Byrums Raukar |
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| Braune Becken: Felsstrand wie in der Toskana |
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| Es blüht so blau: Blumen im Horns Kungsgård (rechts) |
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| Im Westen was Neues: Savannenklippe |
Das harte Zeug ist eigentlich zusammengepresster Lehm mit Tierschalen. Falls genug Sauerstoff mit drin war, rostet das Zeug und wird rot, sonst bleibt es blau. Die Klippen sind 18 Meter bzw. 18 Millionen Jahre hoch.
Für die Schweden war das ein echter Glücksfall, denn dieses Zeug lässt sich anscheinend leichter verbauen als der Rest Schwedens. Dass sie praktisch alles auf der Insel aus Kalk gebaut haben, haben wir ja schon gesehen. Aber der Kalmarsund ist schmal, warum also nicht auch aufs Festland exportieren? Hochmotiviert machten sich die Öländer daran, ihre eigene Insel abzubauen und zu verkaufen, und damit begannen sie auf dieser Seite, wo die Kalkklippen besonders offen und einladend aussahen. Sie suchten sich natürliche Spalten und steckten Keile aus Eichenholz rein, die sie dann mit Wasser begossen. Klingt komisch, aber wenn sich das Holz in der Sonne verzog, reichte das wirklich, um den Stein zu spalten. Tiefer als 90 Zentimeter kam man mit der Technik aber nicht. Die Männer schlugen dann die Steine raus, die Frauen schlugen sie klein und schliffen die Bodensteine, Kinder holten Wasser und Sand zum Schleifen, die Steinhaufen wurden immer größer und größer - und dann hörten plötzlich alle Arbeiter auf. Ohne die steinigen Früchte ihrer Arbeit zu verkaufen.
Hö?
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| Unverbauter Blick: Steinberge hinter dem Kustväg |
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| Wir staunen Bausteine: Steintürme am Küstväg |
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| Historischer Bruch: Zurückgelassene Steingrube |
Hoch über dem blauen Meer sind die Stapelsteine auf eigentümliche Weise schön. Vor allem dort, wo Reisende versucht haben, aus den Steinen doch noch etwas zu bauen, nämlich Steintürme. Wenn die Steine rechteckig sind, dann werden diese Bauwerke zwangsläufig viel höher und massiger als die üblichen Steintürmchen im Gebirge oder auf Stora Grundet - in Punkto Steintürmchen gibt es wirklich kein besseres Reiseziel als Öland.
Auch weiter im Hinterland sehen wir dunkle Steingruben, entweder völlig ausgekratzt oder bis zum Rand mit diesen Kalkziegeln gefüllt, diesmal ohne Meer und Steintürmchen. Die sind weniger schön, sondern einfach befremdlich und ein bisschen traurig.
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Steinbruch: Auf höchstens |
Aber die Steinindustrie auf Öland ist nicht komplett tot. Nach einigen Kilometern kommen wir vorbei an aktiven Steinbrüchen, die sich über die felsigen Terrassen der Küste erstrecken und natürlich auch den üblichen himmelblauen See enthalten. Ein kurzes Stück weiter steht das Betriebsgebäude der anderen Seite der Straße. Am Straßenrand stehen wahnsinnig viele dünne, auf einer Seite feingeschliffene Platten. Offenbar hat sich die heutige Steinindustrie auf Grabsteine spezialisiert. Schön für die Inselwirtschaft, auch wenn das Verkehrsaufkommen in diesem Bereich etwas höher war.
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| Graben nach Grabsteinen: Kalksteinindustrie |
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| Produziert vermutlich Knochenmehl: Mühle im Skelett-Design |
| Kleine Unterscheidungshilfe: Bei Kamelen wachsen die Höcker nach oben, bei Dromedaren nach unten. |
Das Ende der afrikanischen Küstenstraße ist klar erkennbar - an den Kamelen. Als die Straße die Küste verlässt, trifft sie direkt auf eine Kamelfarm. Die meisten Tiere haben es sich auf einer sonnenbeheizten Insel aus Sand gemütlich gemacht. Bei denen, die dennoch im Gras standen, wogen die Höcker im selben
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| Ein Rinderspiel: Diese Kuh entkam der Steinmauer. |
Rhythmus wie das Gras im Wind. Wie sagt man so schön in Norddeutschland: Sturm ist erst, wenn die Kamele keine Locken mehr haben.
Eine der Kühe nebenan versucht in Punkto Kuhlness mitzuhalten, indem sie die lächerlich niedrige Kalksteinmauer überspringt und seelenruhig direkt neben der Straße grast.
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| Nicht die Trassen verpassen! Bahnradweg |
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| Letzte Felswand vor der Autobahn: Einfahrt nach Borgholm |
Damit wären wir jetzt also in der Inselhauptstadt Borgholm. Laut Wikipedia ist Färjestaden zwar größer, was sich aber nicht mit meiner Beobachtung vor Ort deckt. Oder mit der Verwaltungsgliederung, laut der sich die Kommunen Borgholm und Mörbylånga die ganze Insel teilen.
Zumindest das Stadtzentrum ist in Borgholm deutlich größer und
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| Rasterpflaster: Borgholmer Zentrum |
regelmäßiger. Offensichtlich hat hier jemand eine Planstadt mit einem sauberen Straßengitter und zweistöckigen Holzhäusern in Pastellfarben hingestellt. In der Mitte liegt eine Fußgängerzone, und in deren Mitte ein Markt mit Rathaus und Kirche, alles genau, wie es sein sollte.
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| Kein Saft: Großeinkauf und kaputte Ladestation |
Besonders einladend sieht für uns aber der begrünte Hafen aus. Hier sollen wir noch einmal den Akku vom E-Bike aufladen können (nicht, dass es zwingend nötig wäre, aber da sagen wir nicht nein). Na dann, Akku rausnehmen, in die Box legen, Türcode ausdenken und... feststellen, dass kein Strom fließt. Schade.
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| So treten Sieger auf: Sportler-Fußabdrücke |
Der kleine Park wurde angelegt für den Sportlehrer und Entrepreneur Kay Wiestål, offenbar ein Ehrenbürger der Stadt. Sein größter Verdienst für Borgholm ist offenbar die Idee des Victoriadagen, also, dass die ganze Insel den Geburtstag von Königin Victoria groß feiert. Dabei gibt es Sportwettbewerbe, und wer in seiner Disziplin wie zum Beispiel Ishockey am besten ist, der gewinnt den Victoriapreis.
Im Steinpflaster sind die Füße einiger Sieger neben denen von Wiestål höchstpersönlich verewigt. Nur die Königin/Siegesgöttin Victoria selbst hat sich nicht dazu herabgelassen, ihre Fußsohlen in den Beton zu stellen, möglicherweise aus Angst vor Fetischisten.
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| Eiswert: Das Glasbuffet |
Bemerkenswert ist außerdem noch die Eisdiele am Hafen, denn die ist ein Buffet. Im Glassbuffet können wir absolut ungestört durch den Raum gehen und aus einer Vielzahl Sorten und Toppings auswählen, bis schließlich eine unseren fantasiereichen Kreationen gegenüber sichtlich gleichgültige Verkäuferin das Ergebnis wiegt und den Preis abliest.
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| Hauptsächlich laut-stressig: Hauptstraße (noch mit Radweg) |
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| Soll i denn da wirklich rein? Eingang zum Schloss Solliden |
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| Stark befahren, nur halt nicht auf diesem Foto: Hauptstraße |
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| Heidewitzka: Heidefläche nördlich von Färjestaden |
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Verdämmt sauber: |
Dann fahre ich noch vorbei an einem kombinierten Tier-, Freizeit- und Wasserpark und einmal unter einem Betonbogen der Ölandsbrücke durch, die an dieser Stelle aber bloß ein leicht erhöhter Damm ist. Auf einem größtenteils leeren Campingplatz irritiere ich ein paar Wohnmobilfahrer, indem ich auf den Kieswegen nach einem vernünftigen Blickwinkel auf die Brücke suche. Und schließlich komme ich in Färjestaden in einem Gewirr aus Teichen, Schilf und Holzbrücken heraus. Dieser Park heißt Färjestadens Dämme und ist viel mehr als Dekoration oder Naherholungsgebiet. Er ist die bestaussehendste Kläranlage Schwedens. Zusammen mit dem neuen Einkaufszentrum haben die Färjestadener diese Teiche angelegt, damit das ganze schmutzige Schmelz- und Regenwasser aus ihrer Stadt nicht sofort im Kalmarsund landet. Die neuen Spülregeln besagen, dass die Teiche es zuerst filtern müssen. Und wie bei einer Kläranlage wird regelmäßig der Klärschlamm vom Grund der Teiche ausgebaggert und auf die Mülldeponie gebracht.
Fertig, dann mal zur Fähre. Ach warte, die fährt ja gar nicht mehr. Das kleine Schiffchen Dessi verkehrt nur bis zum 16. August, ja, ernsthaft. Und auf der Ölandsbrücke sind Fahrräder nicht erlaubt. Wie komme ich jetzt runter?
Hm, bei den gelben Bussen auf der Insel war doch die ganze Zeit so ein Gestänge hinten dran. Auch die Website besagt, dass alle Linien von Kalmar Länstrafik (außer der 500) zwei Fahrräder gratis mitnehmen, der Busfahrer hilft bei Bedarf gern und prüft die Befestigung vor Abfahrt. Soweit die Theorie.
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| Kostet nix, rostet fix: Komische Radträger an Bussen von Kalmar Länstrafik |
Es passiert folgendes: Nichts. Minutenlang stehe ich mitten in den Ausdünstungen des Auspuffs und ziehe, und irgendwann ist die Stange ziemlich verbogen, aber noch immer nicht ausgeklappt. Dabei bin ich ausnahmsweise mal absolut sicher, dass ich das Teil korrekt bedient habe, denn eine andere Möglichkeit ist wirklich nicht ersichtlich. Jedoch ist auch leicht ersichtlich, warum es nicht funktioniert: Im unteren Bereich ist die schwarze Verkleidung ab, und das Metall darunter ist gottlos verrostet. Ich laufe nach vorn, um den Fahrer um Hilfe zu bitten, aber ich ahne bereits, dass er mir auch nur sagen wird: Öh, dann musst du wohl auf den nächsten Bus warten. Damit überschätze ich ihn. Denn noch bevor ich die Fahrertür erreiche, braust der Bus davon.
Eine halbe Stunde später: Neuer Bus, neuer Versuch. Diesmal lässt sich das Gestänge ausklappen und das Rad draufhängen. Der Fahrer kommt sogar raus, guckt kurz, streckt den Daumen nach oben und öffnet sogar noch den Gepäckraum, damit ich die Taschen nicht nach oben schleppen muss.
Aber so ganz wohl ist mir trotzdem nicht. Denn das Rad liegt da einfach so auf den Stangen, ohne jede Befestigung, abgesehen von einem kläglichen Gummiseil, das ich noch schnell improvisiert habe. Im Vergleich zu den ganzen Sicherungen bei privaten Fahrradträgern oder Flixbussen ist das ein schlechter Scherz. Und dieser Vergleich ist absolut legitim, weil auch Kalmar Länstrafik oft längere Strecken über Autobahnen fährt. Was, wenn das Rad bei Tempo 100 runterfällt? Der einzige Schutz dagegen ist, dass die Stangen am Ende minimal nach oben gebogen sind. Die rostige Erfahrung von vorhin steigert mein Vertrauen in die Konstruktion auch nicht gerade. Und als wir auf die Brücke drauffahren, bekomme ich noch einen Schreck.
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| Was zum Knick: Ölandsbron |
Die Ölandsbrücke ist ein plumper Betonklotz und hat nichts von der Eleganz der dänischen Sundbrücken, auch wenn sie prinzipiell ähnlich aufgebaut ist: Der größte Teil erstreckt sich flach über dem Wasser, dann geht die Fahrbahn einmal kurz hoch, damit die Schiffe durchkommen, und zum Schluss wird die Brücke von der Mini-Insel Svinö gestützt. (Diese Insel ist schon Teil der Parklandschaft von Kalmar und für Radler und Fußgänger über eine Holzbrücke zu erreichen.) Der Grund, warum ich mich erschrecke, ist: Die erhöhte Durchfahrtstelle für die Schiffe ist keine geschwungene Hängebrücke oder so was. Sie sieht aus, als hätte jemand einfach gegen beide Enden der Brücke gedrückt, bis in der Mitte ein Stück zerbricht und als Dreieck in die Höhe schnellt. Und diesen steilen Anstieg soll der Fahrradträger aushalten?
Machen wir es kurz: Aus der Nähe betrachtet war der Anstieg gar nicht so steil, ich und mein Rad stiegen wohlbehalten am Bahnhof Kalmar aus. Dank dieser Busse ist die Insel Öland also doch ganzjährig per Rad erreichbar. Aber bringen Sie starke Befestigungsgurte oder starke Nerven mit - und genug Zeit, falls der nächste Radträger gerade rostig oder schon besetzt sein sollte.


















































