Montag, 17. August 2026

Öland: Von Byxelkrok nach Färjestaden

MÄNNER, DIE AUF STEINE STARREN

AN DER OSTKÜSTE ENTDECKEN WIR DEN SPEKTAKULÄRSTEN ABSCHNITT DES INSELRUNDWEGS UND DIE BESTE STADT ÖLANDS, BEVOR WIR UNS DER ULTIMATIVEN HERAUSFORDERUNG STELLEN: DIE INSEL WIEDER ZU VERLASSEN. LETZTER TAG UNSERER TOUR AUF DEM ÖLANDSLEDEN

Steinreich: Die halb abgebauten Klippen am Küstväg

Abgestumpft: Byrums Raukar
Am Ostseestrand von Byrum steht ein Haufen Felssäulen. Sofern man Dinge als Säulen bezeichnen kann, die breiter sind als hoch. Sie reichen mir bis zur Brust, sehen aus wie aus grobem Beton gegossen und oben mit stumpfer Klinge abgeschnitten. Das hier sind die einzigen Rauken auf Öland, denn eigentlich ist die Insel Gotland der Spezialist für diese Landschaftsform. Als einzige öländische Vertreter der Rauken sind Byrums raukar etwas enttäuschend, als Auftakt für eine andere ganz besondere Landschaft aber in Ordnung.
Braune Becken: Felsstrand
wie in der Toskana
Hinter dem Dorf Byrum ist der Strand wieder mediterran, braun und felsig. Wenn wir baden wollen, müssen wir nach unten, wenn wir radeln wollen, müssen wir nach oben. Hier hat das Kalksteinplateau von Öland seinen höchsten Bereich, es fällt nicht so sanft ab wie im Osten. Sobald wir aber erst einmal hochgestrampelt sind, bleibt der Weg relativ flach. Das Naturschutzgebiet Horns kungsgård mit besonderen blauen Blumen zieht vorbei - die sind auch das einzig naturschutzgebietige, ansonsten sieht es aus wie eine eingezäunte Weide.
Es blüht so blau: Blumen im
Horns Kungsgård (rechts)
Trotzdem: Je höher wir kommen, je mehr geschwungene Buchten wir umrunden, umso seltsamer wird die Landschaft. Der Horns Kustväg ist eine Nebenstraße auf der Klippe - und das Highlight der Insel. Das Gras ist gelb, der Kalkstein schaut raus, und nur vereinzelt stehen Bäume herum, deren Kronen wie breite Büschel geformt sind. Die Landschaft ist eigentlich aus vertrauten europäischen Elementen zusammengesetzt, aber plötzlich verschiebt sich mein Blickwinkel, und das Ganze sieht aus wie eine afrikanische Savanne. Das Wetter mag dazu beigetragen haben.

Im Westen was Neues:
Savannenklippe
So, und jetzt der große Plottwist: Es ist eine afrikanische Savanne. Also quasi. Öland und Gotland sind Splitter der afrikanischen Erdplatte, die sich irgendwie in die Ostsee verirrt haben. Daher der trockene Kalksteinboden als oberste Bodenschicht, der geologisch so anders ist als der Rest Schwedens. So ähnlich hat es zumindest die Vermieterin vorgestern erklärt, und dieser Fakt ist viel zu cool, als dass ich ihn mir davon verderben lasse, dass es ich online keine einzige Quelle finde, die ihn bestätigt.
Das harte Zeug ist eigentlich zusammengepresster Lehm mit Tierschalen. Falls genug Sauerstoff mit drin war, rostet das Zeug und wird rot, sonst bleibt es blau. Die Klippen sind 18 Meter bzw. 18 Millionen Jahre hoch.
Für die Schweden war das ein echter Glücksfall, denn dieses Zeug lässt sich anscheinend leichter verbauen als der Rest Schwedens. Dass sie praktisch alles auf der Insel aus Kalk gebaut haben, haben wir ja schon gesehen. Aber der Kalmarsund ist schmal, warum also nicht auch aufs Festland exportieren? Hochmotiviert machten sich die Öländer daran, ihre eigene Insel abzubauen und zu verkaufen, und damit begannen sie auf dieser Seite, wo die Kalkklippen besonders offen und einladend aussahen. Sie suchten sich natürliche Spalten und steckten Keile aus Eichenholz rein, die sie dann mit Wasser begossen. Klingt komisch, aber wenn sich das Holz in der Sonne verzog, reichte das wirklich, um den Stein zu spalten. Tiefer als 90 Zentimeter kam man mit der Technik aber nicht. Die Männer schlugen dann die Steine raus, die Frauen schlugen sie klein und schliffen die Bodensteine, Kinder holten Wasser und Sand zum Schleifen, die Steinhaufen wurden immer größer und größer - und dann hörten plötzlich alle Arbeiter auf. Ohne die steinigen Früchte ihrer Arbeit zu verkaufen.
Hö?

Unverbauter Blick: Steinberge
hinter dem Kustväg
In die Klippen sind überall 90 Zentimeter tiefe, rechteckige Löcher reingemeißelt, bis zum Rand gefüllt mit Kalk-Quadern. Was war denn hier los? Haben die die Nachfrage auf dem Festland komplett falsch eingeschätzt?
Wir staunen Bausteine:
Steintürme am Küstväg
"Oder haben sie gedacht: Wenn wir die Steine nur wieder zurücklegen, dann wächst wieder eine Klippe draus?", spekuliert mein Freund. Auch die Öländer konnten uns keine Antwort auf diese Frage geben. Am meisten Sinn ergibt wohl die Theorie, dass es mit der Massenabwanderung durch Nahrungsmangel im 19. Jahrhundert zusammenhängt - die vorherige Einwohnerzahl hat die Insel bis heute nicht wieder erreicht. Dazu passt auch, dass die Steine ziegelförmig sind, und das waren sie ja laut der einen Infotafel erst im 19. Jahrhundert.
Historischer Bruch:
Zurückgelassene Steingrube

Hoch über dem blauen Meer sind die Stapelsteine auf eigentümliche Weise schön. Vor allem dort, wo Reisende versucht haben, aus den Steinen doch noch etwas zu bauen, nämlich Steintürme. Wenn die Steine rechteckig sind, dann werden diese Bauwerke zwangsläufig viel höher und massiger als die üblichen Steintürmchen im Gebirge oder auf Stora Grundet - in Punkto Steintürmchen gibt es wirklich kein besseres Reiseziel als Öland.
Auch weiter im Hinterland sehen wir dunkle Steingruben, entweder völlig ausgekratzt oder bis zum Rand mit diesen Kalkziegeln gefüllt, diesmal ohne Meer und Steintürmchen. Die sind weniger schön, sondern einfach befremdlich und ein bisschen traurig.

Steinbruch: Auf höchstens
einem Zehntel des Kustvägen
werden noch Steine abgebaut.

Aber die Steinindustrie auf Öland ist nicht komplett tot. Nach einigen Kilometern kommen wir vorbei an aktiven Steinbrüchen, die sich über die felsigen Terrassen der Küste erstrecken und natürlich auch den üblichen himmelblauen See enthalten. Ein kurzes Stück weiter steht das Betriebsgebäude der anderen Seite der Straße. Am Straßenrand stehen wahnsinnig viele dünne, auf einer Seite feingeschliffene Platten. Offenbar hat sich die heutige Steinindustrie auf Grabsteine spezialisiert. Schön für die Inselwirtschaft, auch wenn das Verkehrsaufkommen in diesem Bereich etwas höher war.

Graben nach Grabsteinen:
Kalksteinindustrie
Alles in allem ist Horns Kustväg rätselhaft, bizarr und nicht sehr schattig, aber auch der wortwörtliche Höhepunkt der Insel und einer der einzigartigsten Wege an der Ostsee.

Produziert vermutlich
Knochenmehl: Mühle im
Skelett-Design
Später wird er etwas normaler, es tauchen Dörfer, Badestrände und vor allem Windmühlen auf. Über eine zauberhafte Bucht wachten drei rote Mühlen in einer Reihe, anderswo verströmte eine hölzerne Mühle einen morbiden Wildwest-Charme, weil ihr Gebäude im Prinzip nur aus einem hölzernen Gerippe besteht.

Kleine Unterscheidungshilfe:
Bei Kamelen wachsen die
Höcker nach oben, bei
Dromedaren nach unten.

 Das Ende der afrikanischen Küstenstraße ist klar erkennbar - an den Kamelen. Als die Straße die Küste verlässt, trifft sie direkt auf eine Kamelfarm. Die meisten Tiere haben es sich auf einer sonnenbeheizten Insel aus Sand gemütlich gemacht. Bei denen, die dennoch im Gras standen, wogen die Höcker im selben 

Ein Rinderspiel: Diese Kuh
entkam der Steinmauer.

Rhythmus wie das Gras im Wind. Wie sagt man so schön in Norddeutschland: Sturm ist erst, wenn die Kamele keine Locken mehr haben.
Eine der Kühe nebenan versucht in Punkto Kuhlness mitzuhalten, indem sie die lächerlich niedrige Kalksteinmauer überspringt und seelenruhig direkt neben der Straße grast.

Nicht die Trassen
verpassen! Bahnradweg
Zurück an der Hauptstraße geht es schnell abwärts in ein urbanes Zentrum, über Campingparkplätze und schließlich auf einen kurzen Bahnradweg. Der Bahndamm bringt uns mal durch grüne Baumstrecken, mal durch Vorgärten. Fast hätten wir ihn übersehen und wären der Hauptstraße gefolgt. Dort gab es immerhin die letzte kleine Felswand zu sehen, auf der ein paar Schafe grasten. Sie hat mich an die Teufelsmauer am Harz erinnert.
Letzte Felswand
vor der Autobahn:
Einfahrt nach Borgholm

Damit wären wir jetzt also in der Inselhauptstadt Borgholm. Laut Wikipedia ist Färjestaden zwar größer, was sich aber nicht mit meiner Beobachtung vor Ort deckt. Oder mit der Verwaltungsgliederung, laut der sich die Kommunen Borgholm und Mörbylånga die ganze Insel teilen.

Zumindest das Stadtzentrum ist in Borgholm deutlich größer und 

Rasterpflaster:
Borgholmer Zentrum

regelmäßiger. Offensichtlich hat hier jemand eine Planstadt mit einem sauberen Straßengitter und zweistöckigen Holzhäusern in Pastellfarben hingestellt. In der Mitte liegt eine Fußgängerzone, und in deren Mitte ein Markt mit Rathaus und Kirche, alles genau, wie es sein sollte.

Kein Saft:
Großeinkauf und
kaputte Ladestation

Besonders einladend sieht für uns aber der begrünte Hafen aus. Hier sollen wir noch einmal den Akku vom E-Bike aufladen können (nicht, dass es zwingend nötig wäre, aber da sagen wir nicht nein). Na dann, Akku rausnehmen, in die Box legen, Türcode ausdenken und... feststellen, dass kein Strom fließt. Schade.

So treten Sieger auf:
Sportler-Fußabdrücke

Der kleine Park wurde angelegt für den Sportlehrer und Entrepreneur Kay Wiestål, offenbar ein Ehrenbürger der Stadt. Sein größter Verdienst für Borgholm ist offenbar die Idee des Victoriadagen, also, dass die ganze Insel den Geburtstag von Königin Victoria groß feiert. Dabei gibt es Sportwettbewerbe, und wer in seiner Disziplin wie zum Beispiel Ishockey am besten ist, der gewinnt den Victoriapreis.

Im Steinpflaster sind die Füße einiger Sieger neben denen von Wiestål höchstpersönlich verewigt. Nur die Königin/Siegesgöttin Victoria selbst hat sich nicht dazu herabgelassen, ihre Fußsohlen in den Beton zu stellen, möglicherweise aus Angst vor Fetischisten.

Eiswert: Das Glasbuffet
"Ich weiß zwar, dass ich nur eine gewöhnliche Sterbliche bin, doch das Prinzip der Monarchie ist wichtig. [...] Da ich der Ansicht bin, dass Frauen sich nicht in die Politik einmischen sollten, sah ich mich auch nicht berechtigt, mehr als ein warnendes Wort zu sagen."

- Victoria von Baden, Schwedische Königin, über die Abspaltung Norwegens, 1905 - 

Bemerkenswert ist außerdem noch die Eisdiele am Hafen, denn die ist ein Buffet. Im Glassbuffet können wir absolut ungestört durch den Raum gehen und aus einer Vielzahl Sorten und Toppings auswählen, bis schließlich eine unseren fantasiereichen Kreationen gegenüber sichtlich gleichgültige Verkäuferin das Ergebnis wiegt und den Preis abliest.

Hauptsächlich laut-stressig:
Hauptstraße (noch mit Radweg)
Um die Stadt zu verlassen, müssen wir erst mal wieder ein Stück hoch, dann finden wir uns auf dem Radweg neben einer Hauptstraße wieder. In der Ferne ragt die massige Antwort auf eine weitere Frage in die Höhe: Hat Öland eigentlich auch Burgen oder Schlösser? Ja, zwei, und beide sind hier, inmitten von Schafweiden. Allerdings: Wenn ich Schlösser schreibe, dann sollte man sich darunter keine Schlösser-Schlösser vorstellen.
Hohl-Hof: Schloss Borgholm
Das weithin sichtbare Schloss Borgholm liegt so erhöht, dass sogar das Meer gut zu erkennen ist, dabei sind wir noch ein ordentliches Stück von der Küste entfernt. Der Klotz erinnert eher an eine Burg, und auch das nicht so richtig: Die vier Türme an jeder Ecke überragen die Mauern um keinen Meter, hinter den toten Fenstern scheinen sich größtenteils leere Hohlräume zu verbergen, Zinnen oder andere burgige Merkmale fehlen, und das Mauerwerk verschwimmt aus der Ferne zu eine abgeschrabbelt-grauen Fläche. Hätte man mir ein Bild der Schlossruine neben ein Bild der Alaunwerk-Ruine von Tag 2 vorgelegt, dann wäre ich nicht sicher gewesen, was was ist. Trotzdem wurde ein größeres Museum ins Schloss reingebaut.
Soll i denn da wirklich rein?
Eingang zum Schloss Solliden
Schloss Solliden ist anders - total versteckt, deutlich kleiner, sieht eher aus wie eine schlichte, weiße Bauhaus-Villa, und nur der Garten darf gegen Eintritt besichtigt werden (mitsamt Cafe und kleineren Ausstellungen in Nebengebäuden). Hier hat die Königsfamilie immer noch ihren Sommersitz, und die aktuelle Königin Victoria feiert jedes Jahr mit den Insulanern ihren Geburtstag. Schlingpflanzen verzieren das Kassentor, und schon davor treiben sich überall geführte Reisegruppen herum, denen jeder einzelne Busch erklärt wird. Beauftragt hat das Ganze eine andere Königin Victoria. Mit der gleichnamigen britischen Imperialistin hat sie nichts zu tun, sie war ursprünglich eine Prinzessin von Baden, die 1881 den schwedischen Prinzen heiratete. Dass sie ausgerechnet hier baute, hat den Tourismus auf der Insel ganz entscheidend beschleunigt.
Stark befahren, nur halt nicht
auf diesem Foto: Hauptstraße
 Wahrscheinlich gilt die große Insel-Geburtstagsparty also doch der toten und nicht der aktuellen Königin Victoria.
Kurz darauf hört der Radweg neben der Straße auf. Die Hauptstraße zwischen der einzigen Brücke und der Inselhauptstadt ist natürlich am stärksten befahren, deswegen macht der Ölandsleden richtig große Bögen und kreuzt immer wieder die Hauptstraße, um der Hauptstraße auszuweichen.
Heidewitzka: Heidefläche
nördlich von Färjestaden
 Der erste Bogen geht zu den Gehöften im Hinterland, dort, wo wir schon an Tag 3 durchgefahren sind. Der nächste Waldbogen in Richtung Küste hat mich komplett überrascht. Das Naturschutzgebiet Rälla-Ekerum hat nämlich die größte Heidefläche der ganzen Insel, und zwar in voller Blüte. Es hat sich gelohnt, diesen Teil nicht abzukürzen!

Verdämmt sauber:
Färjestadens Dämme 

Dann fahre ich noch vorbei an einem kombinierten Tier-, Freizeit- und Wasserpark und einmal unter einem Betonbogen der Ölandsbrücke durch, die an dieser Stelle aber bloß ein leicht erhöhter Damm ist. Auf einem größtenteils leeren Campingplatz irritiere ich ein paar Wohnmobilfahrer, indem ich auf den Kieswegen nach einem vernünftigen Blickwinkel auf die Brücke suche. Und schließlich komme ich in Färjestaden in einem Gewirr aus Teichen, Schilf und Holzbrücken heraus. Dieser Park heißt Färjestadens Dämme und ist viel mehr als Dekoration oder Naherholungsgebiet. Er ist die bestaussehendste Kläranlage Schwedens. Zusammen mit dem neuen Einkaufszentrum haben die Färjestadener diese Teiche angelegt, damit das ganze schmutzige Schmelz- und Regenwasser aus ihrer Stadt nicht sofort im Kalmarsund landet. Die neuen Spülregeln besagen, dass die Teiche es zuerst filtern müssen. Und wie bei einer Kläranlage wird regelmäßig der Klärschlamm vom Grund der Teiche ausgebaggert und auf die Mülldeponie gebracht.
Fertig, dann mal zur Fähre. Ach warte, die fährt ja gar nicht mehr. Das kleine Schiffchen Dessi verkehrt nur bis zum 16. August, ja, ernsthaft. Und auf der Ölandsbrücke sind Fahrräder nicht erlaubt. Wie komme ich jetzt runter?
Hm, bei den gelben Bussen auf der Insel war doch die ganze Zeit so ein Gestänge hinten dran. Auch die Website besagt, dass alle Linien von Kalmar Länstrafik (außer der 500) zwei Fahrräder gratis mitnehmen, der Busfahrer hilft bei Bedarf gern und prüft die Befestigung vor Abfahrt. Soweit die Theorie.

Kostet nix, rostet fix:
Komische Radträger an Bussen
von Kalmar Länstrafik
Die Praxis sieht so aus: Ich stehe vor dem Supermarkt in der Sonne. Als der Bus nach Kalmar heranbrummt, gehe ich mit dem Rad schnurstracks nach hinten. Noch liegen die Stangen eng am Bus an, also greife ich danach und ziehe.
Es passiert folgendes: Nichts. Minutenlang stehe ich mitten in den Ausdünstungen des Auspuffs und ziehe, und irgendwann ist die Stange ziemlich verbogen, aber noch immer nicht ausgeklappt. Dabei bin ich ausnahmsweise mal absolut sicher, dass ich das Teil korrekt bedient habe, denn eine andere Möglichkeit ist wirklich nicht ersichtlich. Jedoch ist auch leicht ersichtlich, warum es nicht funktioniert: Im unteren Bereich ist die schwarze Verkleidung ab, und das Metall darunter ist gottlos verrostet. Ich laufe nach vorn, um den Fahrer um Hilfe zu bitten, aber ich ahne bereits, dass er mir auch nur sagen wird: Öh, dann musst du wohl auf den nächsten Bus warten. Damit überschätze ich ihn. Denn noch bevor ich die Fahrertür erreiche, braust der Bus davon.
Eine halbe Stunde später: Neuer Bus, neuer Versuch. Diesmal lässt sich das Gestänge ausklappen und das Rad draufhängen. Der Fahrer kommt sogar raus, guckt kurz, streckt den Daumen nach oben und öffnet sogar noch den Gepäckraum, damit ich die Taschen nicht nach oben schleppen muss.
Aber so ganz wohl ist mir trotzdem nicht. Denn das Rad liegt da einfach so auf den Stangen, ohne jede Befestigung, abgesehen von einem kläglichen Gummiseil, das ich noch schnell improvisiert habe. Im Vergleich zu den ganzen Sicherungen bei privaten Fahrradträgern oder Flixbussen ist das ein schlechter Scherz. Und dieser Vergleich ist absolut legitim, weil auch Kalmar Länstrafik oft längere Strecken über Autobahnen fährt. Was, wenn das Rad bei Tempo 100 runterfällt? Der einzige Schutz dagegen ist, dass die Stangen am Ende minimal nach oben gebogen sind. Die rostige Erfahrung von vorhin steigert mein Vertrauen in die Konstruktion auch nicht gerade. Und als wir auf die Brücke drauffahren, bekomme ich noch einen Schreck.
Was zum Knick: Ölandsbron

Die Ölandsbrücke ist ein plumper Betonklotz und hat nichts von der Eleganz der dänischen Sundbrücken, auch wenn sie prinzipiell ähnlich aufgebaut ist: Der größte Teil erstreckt sich flach über dem Wasser, dann geht die Fahrbahn einmal kurz hoch, damit die Schiffe durchkommen, und zum Schluss wird die Brücke von der Mini-Insel Svinö gestützt. (Diese Insel ist schon Teil der Parklandschaft von Kalmar und für Radler und Fußgänger über eine Holzbrücke zu erreichen.) Der Grund, warum ich mich erschrecke, ist: Die erhöhte Durchfahrtstelle für die Schiffe ist keine geschwungene Hängebrücke oder so was. Sie sieht aus, als hätte jemand einfach gegen beide Enden der Brücke gedrückt, bis in der Mitte ein Stück zerbricht und als Dreieck in die Höhe schnellt. Und diesen steilen Anstieg soll der Fahrradträger aushalten?
Machen wir es kurz: Aus der Nähe betrachtet war der Anstieg gar nicht so steil, ich und mein Rad stiegen wohlbehalten am Bahnhof Kalmar aus. Dank dieser Busse ist die Insel Öland also doch ganzjährig per Rad erreichbar. Aber bringen Sie starke Befestigungsgurte oder starke Nerven mit - und genug Zeit, falls der nächste Radträger gerade rostig oder schon besetzt sein sollte.

Sonntag, 16. August 2026

Öland: Von Böda nach Byxelkrok

DIE HIRSCHKÄFER-SPITZE 

HEUTE ERKUNDEN WIR BEIDE NORDSPITZEN DER INSEL UND ENTDECKEN EINE STEINWÜSTE. FÜNFTER TAG UNSERER TOUR AUF DEM ÖLANDSLEDEN

Kiesküste: Radweg, Steinchen und Felsstrand im Nordwesten

Baumbögen:
Weitere Waldstrecke

Der Bahnhof Trollskogen hat nur ein Gleis, keinen echten Bahnsteig und nur selten Züge. Von einem deutschen Dorfbahnhof unterscheidet er sich dennoch, nämlich durch die großzügige abschließbare Wartehütte mit Grillplatz, außen ziert Vogelkot die Fensterbretter. Wenn ich hier bei Mistwetter gestrandet wäre, dann wäre ich bestimmt verdammt froh über das schützende Ding. Egal, ob mit oder ohne Grillkohle im Gepäck. (Angesichts der vielen Grillplätze haben wir tatsächlich überlegt, noch Grillsachen einzukaufen, die Idee dann aber doch verworfen.) Wir sind durch die ersten Schleifen auf herrlichen Waldwegen bis hierher gefahren und stehen nun überrascht an der Bahnstation herum, verwirrt und neugierig, was dieser Tag sonst noch bringen wird.

"Achtung, Sicherheitshinweis,
lassen Sie Ihr Gegrilltes
nicht unbeaufsichtigt!"
Grill im Bahnhof
Ich dachte, Öland hat gar keine Bahn mehr? Doch. 4,5 Kilometer einer Zweigstrecke hat ein Verein neu aufgebaut. Die ursprüngliche Böda Skoksjärnväg, also Waldbahn, entstand 1909, damit zwei zwei Dieselloks namens Großmutter mütterlicherseits und Großmutter väterlicherseits das Holz abtransportieren konnten. Und manchmal bringt sie noch heute Touristen vom Badestrand Fagerrörs zum Naturschutzgebiet Trollskogen. ("Wir fahren ganz langsam aber wir haben auch Haltestrecken.") Natürlich nicht heute, schließlich sind wir in der zweiten Augusthälfte und damit laut den Insulanern ja schon quasi im Winter. Trotz der hellen Sommersonne, die durch die Zweige bricht?

Vorsicht an der
nichtexistierenden
Bahnsteigkante:
Trollskogen Hbf

Was ist das für ein Ort, den man als einzigen auf Öland mit der Bahn erreichen kann? Neben dem Bahnhof liegt ein Parkplatz, das geschlossene Naturum und das offene Klo. Und dann ist da ein Gatter im Zaun, das in einen ganz besonderen Wald führt, der uns sehr empfohlen und nach dem der Bahnhof und das Naturum benannt wurden.


Wurde nicht gefragt:
Fotografierte Käferin Karla

 "Sei vorsichtig wenn Du hast helle Kleider an."
- Kryptischer Hinweis der Böda-Waldbahn -
 

Bio-Leichentuch:
Toter Baum mit
Schlingpflanzen
Auf der Bahnhofstoilette bittet uns ein Schild, alle ekoxar bei der zuständigen Datenbank zu melden. Gern, aber was zum Geier sind denn ekoxar? Anscheinend ein Wort, das sämtliche KIs überfordert. Der erste Online-Übersetzer spricht von Eichhörnchen, der zweite von Echo-Ochsen, nur pons.de findet das richtige Wort: Hirschkäfer. Das passt zumindest zu dem Bild auf dem Plakat. Bei der Meldung soll man bitte auch Ort, Zeit, Geschwindigkeit, Geschlecht, Anzahl, Zustand und Größe angeben. Tatsächlich finden wir gegen Mittag eine Hirschkäferin (Hirschkuhkäfer? Hirschkäferkuh?). Das Geschlecht ist durch das fehlende Geweih leicht zu bestimmen. Allerdings befindet sie sich in keinem der drei auf dem Plakat genannten Zustände - fliegend, paarend, död - sondern chillt einfach nur auf dem Radweg, hat also einen weniger aufregenden Lebenswandel, als das Plakat suggeriert. Wobei der Radweg natürlich grundsätzlich ein Ort ist, an dem man als Insekt leicht im dritten und letzten Zustand landen kann.

Teerdown: Alte Grube
zum Teerbrennen
Im Trollskogen:
Gewundener Pfad
und gewundene
Baumleiche

Tatsächlich erinnert die ganze Nordspitze Ölands an einen männlichen Hirschkäfer. Wie zwei Scheren strecken sich zwei Arme nach Norden, dazwischen liegt fast vollständig eingeschlossen eine Bucht. Die rechte Schere besteht aus dem Trollskogen. Ich hatte den Trollskogen ursprünglich nicht in die Route eingeplant, aber die Künstlerin von Marsjö hatte ihn uns sehr empfohlen, also öffnen wir das Tor am Ende des Parkplatzes und schauten mal rein.
Dieser Wald ist noch heller als die anderen Wälder Ölands, von Trollen keine Spur. Es stehen hauptsächlich dünne Birken und andere dünne Bäume herum. Wenn ein Baum mal doch etwas dicker wird, betreiben die Birken so viel Fatshaming, dass er stirbt. Diese toten Bäume hüllen sich entweder vor in Efeu oder winden sich vor lauter Scham in eine kuriose Korkenzieherform. Diese leblosen Bäumchen sollen das Markenzeichen des Waldes sein. An die tanzenden Bäume der baltischen Staaten kommen sie allerdings nicht heran, denn zum einen gibt es nun auch nicht so wahnsinnig viele von ihnen und zum anderen sind sie nicht besonders hoch, nach wenigen Metern brechen die Stämme immer ab.

Bucht, Bodden, Wiek, Fjord?
Auf jeden Fall ein Stück
fast eingeschlossene Ostsee,
was immer gerade die korrekte
Bezeichnung dafür ist 

Am Ende des Trollskogen steht etwas unerwartet ein stinknormales weißes Wohnhaus mit geschlossenen Toren. Die Ostseebucht schimmert durch die Zweige, und direkt daneben wurde das Zeug gebrannt, mit dem man Holzschiffe imprägnieren musste, damit sie sicher aus dieser Bucht rausfahren konnten. Einfach das harzige Kernholz der Kiefern in die Grube schmeißen, Kohle, Reisig und Grassoden oben drauf, dann durch ein Loch anzünden. Von der Teergrube im Teerskogen sind noch ein paar Steine und eine hölzerne Klappe übrig, aus der unten das fertige Teer rauslief.

Gedenkschranke
Auf asphaltierten Straßen und Radwegen umrunden wir die stille Bucht, die nur einmal über eine gelbliche Wiese hinweg zu sehen war. Halbschranken blockieren den Radweg und sollen für mehr Sicherheit sorgen. In mindestens einem Fall haben sie anscheinend das Gegenteil bewirkt. Eine Schranke ist über und über mit Blumen dekoriert, und ein Foto erinnert an eine Elisabeth, die irgendwie an dieser Schranke ums Leben gekommen ist.

Kahler Kies:
Steinstrand im Nordwesten

Damit sind wir im Nordwesten der Insel, und hier wird es wieder rauer. Der Kalmarsund ist viel breiter, das Festland ein ferner Streifen. Der Radweg folgt hier oft einer Straße direkt am Wasser, auf der einen Seite ein zusammengekauerter Wald, auf der anderen schlagen die Wellen gegen schartige Felsplatten. Nicht diese gerundeten Dinger, die man sonst an den skandinavischen Schärenküsten findet. Die Felsplattenstrände auf Öland sind eckig wie die in der Toskana, nur eben nicht in warmen Brauntönen, sondern in kalten Grautönen. Daneben liegt ein breiter Streifen Kies fast ohne Pflanzen.

Dieses Bauprojekt wurde
gut begründet:
Brücke zu Stora Grundet

Als wir an einer Wendeschleife ankommen, ist es wieder ein bisschen bewachsener, sogar ein Baum spendet Schatten für den Rastplatz. Damit sind wir am Norra Udde, dem Nordende der Insel angekommen. Eine kurze Holzbrücke führt allerdings noch rüber auf die Insel Stora Grundet, die mit anderen Inseln die Einfahrt in die Bucht blockiert. Auch wenn davon nicht viel zu sehen war: In Richtung Norden zersplittert die Ostküste Ölands auch ein bisschen in eine kleine, bescheidene Schärenlandschaft.

Sandland: Das östliche Ende
von Stora Grundet

Stora Grundet jedenfalls besteht aus einem Haufen sandiger Wege mit niedrigen, windgebeutelten Gräsern und Bäumchen. In der Mitte steht der Långe Erik, das weitgehend identische Gegenstück zum Lången Jan im Süden. Bis 1976 lebten auf der Insel der Leuchtturmwärter, der Chefleuchtturmwärter und der Leuchtturmwärterassistent, alle jeweils mit ihren Familien - sie hatten sogar eine Schule für die Kinder. Nach der Automatisierung gab es hier nur noch einen Meteorologen. Die früheren Häuser dienen heute als Eisladen, eines enthält noch immer ein Signalhorn für neblige Tage.

Jenga für Vollprofis:
Steintürme auf Stora Grundet

Als wir ein paar Schritte nach Norden machen, stehen wir urplötzlich vor einem kompletten Wald aus Steintürmen. Damit meine ich diese kleinen Dinger, die manchmal Wanderer als eine Mischung aus Wegweiser, Ich-war-hier und Pausenbeschäftigung aufstapeln. Ich habe aber noch nie so viele auf einem Ort gesehen, und schon gar nicht im Flachland, und manche davon echt hoch. Der Steinstrand ist komplett blockiert, denn aus Respekt vor diese Stapelleistung wagt es kein einziger Tourist, sich da durchzuschlängeln und im Meer zu schwimmen. Yumi und der Nightmare-Painter könnten hier ihren Traumurlaub verbringen.

Wüste-Beleidigung: Die
Promenade von Byxelkrok
ist potthässlich. 

Dann sind wir auch schon in Byxelkrok, dem kleinen Zentrum Nordölands. Es ist ein wirklich sehr kleines Zentrum, und auch noch ein ziemlich komisches. Am Hafen steht rechts der Straße eine Hälfte roter Häuser mit Geschäften, die zum Beispiel Kinderkleidchen mit Pippi-Langstrumpf-Motiv verkaufen, und Restaurants mit einem extra Hundemenü: 2 Köttbullar für 20 Kronen, eine rohe Wurst für 15 Kronen, ein rohes Ei für 10 Kronen. Diese Hälfte hat außerdem einen öffentlichen Trinkwasserhahn und ist somit ganz in Ordnung.
Die andere Hälfte dagegen ist eine Art Steinwüste mit großen Brocken, in deren Mitte eine Fontäne auf algenbewachsene Steine prasselt und vergeblich versucht, der Wüste etwas Frische einzuhauchen. Dahinter parken Wohnmobile die Wüste zu. Es war heiß, richtig heiß. Aber es gibt immerhin eine Ladestation für E-Bikes, an der ich frischen Strom zum Mithalten tanke.

Mit KfZ und Kegel: Fähre
Byxelkrok-Oskarshamn

Und schließlich legt hier auch die zweite Öland-Fähre ab. Die kleine Fähre fährt noch bis zum 28. August zweimal täglich in jede Richtung, wann genau, sollte man vorher bei der Buchung nachschauen, denn es kann immer mal um eine halbe Stunde vom allgemeinen Fahrplan abweichen. Eine halbe Stunde vorher stehen die Autofahrer in der prallen Sonne Schlange, daneben am Rand die Radler und Fußgänger. Schließlich legt der olle Stahlkahn an, die Spitze fährt mit der Durchschnittsgeschwindigkeit einer fußlahmen Schnecke nach oben, und ein Matrose entfernt den Kegel, der bislang ganz allein sämtliche illegalen Fahrten auf die Rampe verhindert hat. Das olle Schiff schwankt ziemlich stark in den Wellen des Kalmarsunds, ein Matrose wickelt deshalb nochmal extra ein Seil um alle Fahrräder. Die Fahrt geht nach Oskarshamn auf dem Festland, von wo aus auch Anschluss nach Gotland besteht, beide Inseln lassen sich also gut zu einer zweiwöchigen Tour verbinden. Für die Überfahrt braucht es zwei Stunden. Zum Vergleich: Die Gotlandfähre nebenan fährt etwa dreimal so weit, braucht dafür aber nur eine Stunde länger. Etwa Hälfte der Fahrzeit läuft ein Video mit Sicherheitshinweisen auf dem Bildschirm. Aber es gibt immerhin ein sonniges Außendeck und einen schattigen Imbissraum mit ausreichend Sitzplätzen im Inneren, also ist das allem Gemecker zum Trotz schon okay.

Sternzeichen unbekannt:
Die Blaue Jungfrau

Und die Aussicht ist nicht schlecht. Denn wir ziehen ziemlich dicht vorbei an einer ganz speziellen Insel, die schon auf Öland alle Blicke auf sich gezogen hat. Eine einsame Kuppe brauner Felswände mit Wald drauf ragt aus dem Kalmarsund, ungewöhnlich hoch und erstaunlich regelmäßig. So ähnlich habe ich mir die Vogelinseln aus Isles of the Emberdark vorgestellt. Ausflugsschiffe von Byxelkrok und Oskarshamn fahren dorthin. Es ist kein Wunder, dass dieses unwirkliche Eiland die Fantasie der Menschen beflügelt hat - aber leider nicht immer zum Guten. Die magische Insel heißt Blåkulla oder Blå Jungfrun und ist angeblich eine Schildkröte. Auf dem Panzer der Blauen Jungfrau treffen sich Schwedens Hexen für ihre magischen Rituale. Eine Info, die bei heutigen Menschen wahlweise ein Okay, sollen sie doch oder ein Kann ich mitmachen? hervorruft, aber zur Hochzeit der Hexenverfolgung natürlich todernst genommen wurde. Die Insel ist im Prinzip der schwedische Brocken, wenn der Brocken in der Ostsee liegen würde und Mittelpunkt einer irrwitzigen Verschwörungstheorie gewesen wäre. 

Badesand: Strand
von Byxelkrok
Es begann damit, dass ein Mädchen in einem Heim behauptete, sie sei für irgendwelche obskuren Teufelsrituale auf die Insel entführt worden. Die Erwachsenen nahmen die Sache ernst, und nach intensiven Befragungen begannen sich plötzlich immer mehr Menschen an ihre angebliche Zeit als Kind auf der Insel zu erinnern. Das Ergebnis war eine lawinenartige Denk-doch-einer-mal-an-die-Kinder-Hysterie, die selbst QAnon neidisch erblassen lassen würde. Mahnende Stimmen in Kirche und Staat, die das alles ein bisschen übertrieben fanden, gingen unter. Erst nach vielen Prozessen und Todesurteilen gestand das ursprüngliche Mädchen irgendwann kleinlaut ein, sie sei nie auf der Insel gewesen und habe sich das nur ausgedacht, um sich wichtig zu machen. Peinlich berührt kehrte ganz Schweden die Affäre unter den Teppich.

Vom Grauen ins Grüne:
Radweg aus Byxelkrok

Gut, aber jetzt zurück auf Öland. Schauen wir noch kurz nach, was hinter Byxelkrok kommt. Die Antwort: Schönere Dinge als Byxelkrok. Die kahlen Steinfelder sind vorerst vorbei, jetzt wird es grüner. Zuerst ein netter Strand mit einer kleinen Seebrücke, einem Beachvolleyballfeld und einer Sauna in einem Fass. Die kann nur nutzen, wer Vereinsmitglied ist. Das funktioniert so: Mitglieder kriegen einen Türcode, sie können die Sauna aber nicht reservieren. Wenn man kommt und es ist noch jemand drin, dürfen die Leute im Fass noch maximal 45 Minuten fertigsaunieren.


Ein Lichtlein klein: Das
Byxelkroker Leuchttürmchen
Der Radweg folgt der Straße hinter dem Strand, und ganz hinten folgt eine ausgesprochen hübsche Dünenspitze mit einem ausgesprochen kleinen, quadratischen Leuchtturm drauf. Im Prinzip ist es eher ein weißer Leuchtwürfel. Die Treppe kann man einfach so hochsteigen, ohne Eintritt oder irgendwas. Obendrauf steht noch eine weiße Metallröhre mit Spitzhut, unter der es hervorleuchtet.

Rückwärtsgewandt:
Blick vom Leuchtturm auf die
Bucht von Byxelkrok
Es folgen noch ein paar Kilometer absolut schöner Küstenradweg, der noch zum Gebiet von Byxelkrok gehört. In den schiefen Kiefernwald hat sich ein weißes Pferd verlaufen, das in dieser Umgebung aus der Ferne wie ein Einhorn anmutet.
Kann das Seinhorn?
Pferd im Küstenwald

Dazwischen immer wieder offene Bereiche mit einem seltsamen Fruchtbarkeits-Kontrastprogramm: Rechts zwängt sich das Gras mit Mühe aus dem steinigen Alvar-Boden, links dagegen beginnen gleich hinter der Mauer dichtbewachsene Gärten, in denen die Obstbäume voller Obst hängen.
Anschließend folgen noch ein paar Kilometer Kieswege durch den Wald, so wie wir sie gestern schon hatten.

Links üppig, rechts gestrüppig:
Gärten und Küstenweg
bei Byxelkrok

 Und dort geht noch einmal ein Abzweig ab zum letzten, schönsten und küstennächsten Shelter auf dem Ölandsleden. Es ist zwar ein kleiner Abstecher in diesen Küstenwald, aber dafür wird der Radfahrer reich belohnt. Diese Hütte hat zwar kein Plumpsklo, dafür hat jemand im Inneren sogar Kissen und Kuscheldecke zurückgelassen, für den Fall, dass es kälter werden sollte als geplant. Unhygienisch ist das nicht zwingend, schließlich lassen sich die Dinger auch von außen auf oder unter den eigenen Schlafsack legen.

Decken statt Zecken:
Shelter im Nordwesten
Das wahre Highlight ist aber die Lage im schönsten Nadelwald, das Wasser im Blick, nur ein paar Meter von steinigen Strand entfernt. Ein laminierter Zettel zeigt zwei Luftaufnahmen dieses Waldes: In den 1940ern war wohl alles kahl, 2017 dann zugewachsen. Aha, und da steht auf Schwedisch, der Mensch hat irgendwie mitgeholfen? Das ist ja nett, dass der Mensch alles wieder angepflanzt hat, was er abgeholzt hat.
Diese voreilige Schlussfolgerung ist absoluter Käse. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Seit den 1940ern ist alles von Natur aus immer mehr mit Kiefern zugewachsen, und jetzt schafft er Mensch wieder künstliche Lichtungen. Der Wald ist jetzt nämlich so dicht, dass einige der ältesten Bäume durch die junge Konkurrenz abzusterben, und auch andere Arten, die auf Licht angewiesen sind, finden keinen Lebensraum mehr. Der Zettel bittet um Entschuldigung für das wüste Aussehen, aber das würde langfristig die natürliche Vielfalt erhöhen. Da ich in meiner Umgebung nichts ausmachen kann, das wüst aussieht, fällt mir die Entschuldigung leicht. Die Frage ist nur: Wieso war es hier 1940 überhaupt so kahl, also wieso sind die Kiefern nicht schon früher gewachsen? Vielleicht hatte das doch etwas mit dem homo sapiens und ein paar bitterkalten, mangelhaften Kriegswintern zu tun.
Bringen keine Abwrackprämie:
Kaputte Boote

Ob die kaputten Holzboote am Strand wohl auch aus dieser Zeit stammen? Sie liegen mit dem Kiel nach oben, es fehlen einige Balken. Das verrostete Gerät mit dem großen Zahnrad war vermutlich eine Vorrichtung, um sie an Land zu ziehen. Solche Boote liegen an mehreren Stellen an den Badestränden von Ölands Westküste, aber genau wie das Shelter sind sie nirgendwo so malerisch wie hier.