Montag, 17. August 2026

Öland: Von Byxelkrok nach Färjestaden

MÄNNER, DIE AUF STEINE STARREN

AN DER OSTKÜSTE ENTDECKEN WIR DEN SPEKTAKULÄRSTEN ABSCHNITT DES INSELRUNDWEGS UND DIE BESTE STADT ÖLANDS, BEVOR WIR UNS DER ULTIMATIVEN HERAUSFORDERUNG STELLEN: DIE INSEL WIEDER ZU VERLASSEN. LETZTER TAG UNSERER TOUR AUF DEM ÖLANDSLEDEN

Steinreich: Die halb abgebauten Klippen am Küstväg

Abgestumpft: Byrums Raukar
Am Ostseestrand von Byrum steht ein Haufen Felssäulen. Sofern man Dinge als Säulen bezeichnen kann, die breiter sind als hoch. Sie reichen mir bis zur Brust, sehen aus wie aus grobem Beton gegossen und oben mit stumpfer Klinge abgeschnitten. Das hier sind die einzigen Rauken auf Öland, denn eigentlich ist die Insel Gotland der Spezialist für diese Landschaftsform. Fossilien abklopfen ist strengstens verboten, erklärt ein Schild mit durchgestrichenem Hammer. Ansonsten wären wohl bald nur noch Steinstummel übrig. Im Vergleich zu den gotländischen Rauken sind Byrums raukar etwas enttäuschend, als Auftakt für eine andere ganz besondere Landschaft aber in Ordnung.
Braune Becken: Felsstrand
wie in der Toskana
Hinter dem Dorf Byrum ist der Strand wieder mediterran, braun und felsig. Wenn wir baden wollen, müssen wir nach unten, wenn wir radeln wollen, müssen wir nach oben. Hier hat das Kalksteinplateau von Öland seinen höchsten Bereich, es fällt nicht so sanft ab wie im Osten. Sobald wir aber erst einmal hochgestrampelt sind, bleibt der Weg relativ flach. Das Naturschutzgebiet Horns kungsgård mit besonderen blauen Blumen zieht vorbei - die sind auch das einzig naturschutzgebietige, ansonsten sieht es aus wie eine eingezäunte Weide.
Es blüht so blau: Blumen im
Horns Kungsgård (rechts)
Trotzdem: Je höher wir kommen, je mehr geschwungene Buchten wir umrunden, umso seltsamer wird die Landschaft. Der Horns Kustväg ist eine Nebenstraße auf der Klippe - und das Highlight der Insel. Das Gras ist gelb, der Kalkstein schaut raus, und nur vereinzelt stehen Bäume herum, deren Kronen wie breite Büschel geformt sind. Die Landschaft ist eigentlich aus vertrauten europäischen Elementen zusammengesetzt, aber plötzlich verschiebt sich mein Blickwinkel, und das Ganze sieht aus wie eine afrikanische Savanne. Das Wetter mag dazu beigetragen haben.

Im Westen was Neues:
Savannenklippe
So, und jetzt der große Plottwist: Es ist eine afrikanische Savanne. Also quasi. Öland und Gotland sind Splitter der afrikanischen Erdplatte, die sich irgendwie in die Ostsee verirrt haben. Daher der trockene Kalksteinboden als oberste Bodenschicht, der geologisch so anders ist als der Rest Schwedens. So ähnlich hat es zumindest die Vermieterin vorgestern erklärt, und dieser Fakt ist viel zu cool, als dass ich ihn mir davon verderben lasse, dass es ich online keine einzige Quelle finde, die ihn bestätigt.
Das harte Zeug ist eigentlich zusammengepresster Lehm mit Tierschalen. Falls genug Sauerstoff mit drin war, rostet das Zeug und wird rot, sonst bleibt es grau. Die Klippen sind 18 Meter bzw. 18 Millionen Jahre hoch.
Für die Schweden war Ölands Entstehung ein echter Glücksfall, denn dieses Zeug lässt sich anscheinend leichter verbauen als der Rest Schwedens. Dass sie praktisch alles auf der Insel aus Kalk gebaut haben, haben wir ja schon gesehen. Aber der Kalmarsund ist schmal, warum also nicht auch aufs Festland exportieren? Hochmotiviert machten sich die Öländer daran, ihre eigene Insel abzubauen und zu verkaufen, und damit begannen sie auf dieser Seite, wo die Kalkklippen besonders offen und einladend aussahen. Sie suchten sich natürliche Spalten und steckten Keile aus Eichenholz rein, die sie dann mit Wasser begossen. Klingt komisch, aber wenn sich das Holz in der Sonne verzog, reichte das wirklich, um den Stein zu spalten. Tiefer als 90 Zentimeter kam man mit der Technik aber nicht. Die Männer schlugen dann die Steine raus, die Frauen schlugen sie klein und schliffen die Bodensteine, Kinder holten Wasser und Sand zum Schleifen, die Steinhaufen wurden immer größer und größer - und dann hörten plötzlich alle Arbeiter auf. Ohne die steinigen Früchte ihrer Arbeit zu verkaufen.
Hö?

Unverbauter Blick: Steinberge
hinter dem Kustväg
In die Klippen sind überall 90 Zentimeter tiefe, rechteckige Löcher reingemeißelt, bis zum Rand gefüllt mit Kalk-Quadern. Was war denn hier los? Haben die die Nachfrage auf dem Festland komplett falsch eingeschätzt?
Wir staunen Bausteine:
Steintürme am Küstväg
"Oder haben sie gedacht: Wenn wir die Steine nur wieder zurücklegen, dann wächst wieder eine Klippe draus?", spekuliert mein Freund. Auch die Öländer konnten uns keine Antwort auf diese Frage geben. Am meisten Sinn ergibt wohl die Theorie, dass es mit der Massenabwanderung durch Nahrungsmangel im 19. Jahrhundert zusammenhängt - die Einwohnerzahl hat sich davon bis heute nicht erholt. Dazu passt auch, dass die Steine ziegelförmig sind, und das waren sie ja laut der einen Infotafel erst im 19. Jahrhundert.
Historischer Bruch:
Zurückgelassene Steingrube

Hoch über dem blauen Meer sind die Stapelsteine auf eigentümliche Weise schön. Vor allem dort, wo Reisende versucht haben, aus den Steinen doch noch etwas zu bauen, nämlich Steintürme. Wenn die Steine rechteckig sind, dann werden diese Bauwerke zwangsläufig viel höher und massiger als die üblichen Steintürmchen im Gebirge oder auf Stora Grundet. In Punkto Steintürmchen gibt es insgesamt kein besseres Reiseziel als Öland.
Auch weiter im Hinterland sehen wir dunkle Steingruben, entweder völlig ausgekratzt oder bis zum Rand mit diesen Kalkziegeln gefüllt, diesmal ohne Meer und Steintürmchen. Die sind weniger schön, sondern einfach befremdlich und ein bisschen traurig.

Steinbruch: Auf höchstens
einem Zehntel des Kustvägen
werden noch Steine abgebaut.

Aber die Steinindustrie auf Öland ist nicht komplett tot. Nach einigen Kilometern kommen wir vorbei an aktiven Steinbrüchen, die sich über die felsigen Terrassen der Küste erstrecken und natürlich auch den üblichen himmelblauen See enthalten. Ein kurzes Stück weiter steht das Betriebsgebäude der anderen Seite der Straße. Am Straßenrand stehen wahnsinnig viele dünne, auf einer Seite feingeschliffene Platten. Offenbar hat sich die heutige Steinindustrie auf Grabsteine spezialisiert. Schön für die Inselwirtschaft, auch wenn das Verkehrsaufkommen in diesem Bereich etwas höher war.

Graben nach Grabsteinen:
Kalksteinindustrie
Alles in allem ist Horns Kustväg rätselhaft, bizarr und nicht sehr schattig, aber auch der wortwörtliche Höhepunkt der Insel und einer der einzigartigsten Wege an der Ostsee.

Produziert vermutlich
Knochenmehl: Mühle im
Skelett-Design
Später wird er etwas normaler, es tauchen Dörfer, Badestrände und vor allem Windmühlen auf. Über eine zauberhafte Bucht wachten drei rote Mühlen in einer Reihe, anderswo verströmte eine hölzerne Mühle einen morbiden Wildwest-Charme, weil ihr Gebäude im Prinzip nur aus einem hölzernen Gerippe besteht.

Kleine Unterscheidungshilfe:
Bei Kamelen wachsen die
Höcker nach oben, bei
Dromedaren nach unten.

 Das Ende der afrikanischen Küstenstraße ist klar erkennbar - an den Kamelen. Als die Straße die Küste verlässt, trifft sie direkt auf eine Kamelfarm. Die meisten Tiere haben es sich auf einer sonnenbeheizten Insel aus Sand gemütlich gemacht. Bei denen, die dennoch im Gras standen, wogen die Höcker im selben 

Ein Rinderspiel: Diese Kuh
entkam der Steinmauer.

Rhythmus wie das Gras im Wind. Wie sagt man so schön in Norddeutschland: Sturm ist erst, wenn die Kamele keine Locken mehr haben.
Eine der Kühe nebenan versucht in Punkto Kuhlness mitzuhalten, indem sie die lächerlich niedrige Kalksteinmauer überspringt und seelenruhig direkt neben der Straße grast.

Nicht die Trassen
verpassen! Bahnradweg
Zurück an der Hauptstraße geht es schnell abwärts in ein urbanes Zentrum, über Campingparkplätze und schließlich auf einen kurzen Bahnradweg. Der Bahndamm bringt uns mal durch grüne Baumstrecken, mal durch Vorgärten. Fast hätten wir ihn übersehen und wären der Hauptstraße gefolgt. Dort gab es immerhin die letzte kleine Felswand zu sehen, auf der ein paar Schafe grasten. Sie hat mich an die Teufelsmauer am Harz erinnert.
Letzte Felswand
vor der Autobahn:
Einfahrt nach Borgholm

Damit wären wir jetzt also in der Inselhauptstadt Borgholm. Laut Wikipedia ist Färjestaden zwar größer, was sich aber nicht mit meiner Beobachtung vor Ort deckt. Oder mit der Verwaltungsgliederung, laut der sich die Kommunen Borgholm und Mörbylånga die ganze Insel teilen.

Auf jeden Fall ist das Stadtzentrum in Borgholm deutlich größer und 

Rasterpflaster:
Borgholmer Zentrum

regelmäßiger. Offensichtlich hat hier jemand eine Planstadt mit einem sauberen Straßengitter und zweistöckigen Holzhäusern in Pastellfarben hingestellt. In der Mitte liegt eine Fußgängerzone, und in deren Mitte ein Markt mit Rathaus und Kirche, eine Musterstadt wie aus dem Katalog.

Kein Saft:
Großeinkauf und
kaputte Ladestation

Besonders einladend sieht für uns der begrünte Hafen aus. Hier sollen wir noch einmal den Akku vom E-Bike aufladen können (nicht, dass es zwingend nötig wäre, aber da sagen wir nicht nein). Na dann, Akku rausnehmen, in die Box legen, Türcode ausdenken und... feststellen, dass kein Strom fließt. Schade.

So treten Sieger auf:
Sportler-Fußabdrücke

Der kleine Park wurde angelegt für den Sportlehrer und Entrepreneur Kay Wiestål, offenbar ein Ehrenbürger der Stadt. Sein größter Verdienst für Borgholm ist offenbar die Idee des Victoriadagen, also, dass die ganze Insel den Geburtstag von Königin Victoria groß feiert. Dabei gibt es Sportwettbewerbe, und wer in seiner Disziplin wie zum Beispiel Ishockey am besten ist, der gewinnt den Victoriapreis.

Im Steinpflaster sind die Füße einiger Sieger neben denen von Wiestål höchstpersönlich verewigt. Nur die Königin/Siegesgöttin Victoria selbst hat sich nicht dazu herabgelassen, ihre Fußsohlen in den Beton zu stellen, möglicherweise aus Angst vor Fetischisten.

Eiswert: Das Glasbuffet
"Ich weiß zwar, dass ich nur eine gewöhnliche Sterbliche bin, doch das Prinzip der Monarchie ist wichtig. [...] Da ich der Ansicht bin, dass Frauen sich nicht in die Politik einmischen sollten, sah ich mich auch nicht berechtigt, mehr als ein warnendes Wort zu sagen."

- Victoria von Baden, Schwedische Königin, über die Abspaltung Norwegens, 1905 - 

Bemerkenswert ist außerdem noch die Eisdiele am Hafen, denn die ist ein Buffet. Im Glassbuffet können wir absolut ungestört durch den Raum gehen und aus einer Vielzahl Sorten und Toppings auswählen, bis schließlich eine unseren fantasiereichen Kreationen gegenüber sichtlich gleichgültige Verkäuferin das Ergebnis wiegt und den Preis abliest.

Hauptsache laut:
Hauptstraße (noch mit Radweg)
Um die Stadt zu verlassen, müssen wir erst mal wieder ein Stück hoch, dann finden wir uns auf dem Radweg neben einer Hauptstraße wieder. In der Ferne ragt die massige Antwort auf eine weitere Frage in die Höhe: Hat Öland eigentlich auch Burgen oder Schlösser? Ja, zwei, und beide sind hier, inmitten von Schafweiden. Allerdings: Wenn ich Schlösser schreibe, dann sollte man sich darunter keine Schlösser-Schlösser vorstellen.
Hohl-Hof: Schloss Borgholm
Das weithin sichtbare Schloss Borgholm liegt so erhöht, dass von dort aus sogar das Meer gut zu erkennen ist, dabei sind wir noch ein ordentliches Stück von der Küste entfernt. Der Klotz erinnert eher an eine Burg, und auch das nicht so richtig: Die vier Türme an jeder Ecke überragen die Mauern um keinen Meter, hinter den toten Fenstern scheinen sich größtenteils leere Hohlräume zu verbergen, Zinnen oder andere burgige Merkmale fehlen, und das Mauerwerk verschwimmt aus der Ferne zu einer abgeschrabbelt-grauen Fläche. Hätte man mir ein Bild der Schlossruine neben ein Bild der Alaunwerk-Ruine von Tag 2 vorgelegt, dann wäre ich nicht sicher gewesen, was was ist. Trotzdem wurde ein größeres Museum ins Schloss reingebaut.
Soll i denn da wirklich rein?
Eingang zum Schloss Solliden
Schloss Solliden ist anders - total versteckt, deutlich kleiner, sieht eher aus wie eine schlichte, weiße Bauhaus-Villa, und nur der Garten darf gegen Eintritt besichtigt werden (mitsamt Café und kleineren Ausstellungen in Nebengebäuden). Hier hat die Königsfamilie immer noch ihren Sommersitz, einschließlich der aktuellen Thronfolgerin Victoria. Schlingpflanzen zieren das Kassentor, und schon davor treiben sich überall geführte Reisegruppen herum, denen jeder einzelne Busch erklärt wird. Beauftragt hat das Ganze eine vergangene Königin Victoria. Mit der gleichnamigen britischen Imperialistin hat sie nichts zu tun, sie war ursprünglich eine Prinzessin von Baden, die 1881 den schwedischen Prinzen heiratete. Dass sie ausgerechnet hier baute, hat den Tourismus auf der Insel ganz entscheidend beschleunigt.
Stark befahren, nur halt nicht
auf diesem Foto: Hauptstraße
 Vermutlich gilt die große Insel-Geburtstagsparty also der toten und nicht der aktuellen Victoria.
Kurz darauf hört der Radweg neben der Straße auf. Die Hauptstraße zwischen der einzigen Brücke und der Inselhauptstadt ist natürlich am stärksten befahren, deswegen macht der Ölandsleden richtig große Bögen und kreuzt immer wieder die Hauptstraße, um der Hauptstraße auszuweichen.
Heidewitzka: Heidefläche
Rälla-Ekerum
 Der erste Bogen geht zu den Gehöften im Hinterland, dort, wo wir schon an Tag 3 durchgefahren sind. Der nächste Waldbogen in Richtung Küste hat mich komplett überrascht. Das Naturschutzgebiet Rälla-Ekerum hat nämlich die größte Heidefläche der ganzen Insel, und zwar in voller Blüte. Es hat sich gelohnt, diesen Teil nicht abzukürzen!

Verdämmt sauber:
Färjestadens Dämme 

Dann fahre ich noch vorbei an einem kombinierten Tier-, Freizeit- und Wasserpark und einmal unter einem Betonbogen der Ölandsbrücke durch, die an dieser Stelle bloß ein leicht erhöhter Damm ist. Auf einem größtenteils leeren Campingplatz irritiere ich ein paar Wohnmobilfahrer, indem ich auf den Kieswegen nach einem vernünftigen Blickwinkel auf die Brücke suche. Und schließlich komme ich in Färjestaden in einem Gewirr aus Teichen, Schilf und Holzbrücken heraus. Dieser Park heißt Färjestadens Dämme und ist viel mehr als Dekoration oder Naherholungsgebiet: Er ist die bestaussehendste Kläranlage Schwedens. Zusammen mit dem neuen Einkaufszentrum haben die Färjestadener diese Teiche angelegt, damit das ganze schmutzige Schmelz- und Regenwasser aus ihrer Stadt nicht sofort im Kalmarsund landet. Die neuen Spülregeln besagen, dass die Teiche es zuerst filtern müssen. Und wie bei einer Kläranlage wird regelmäßig der Klärschlamm vom Grund der Teiche ausgebaggert und auf die Mülldeponie gebracht.
Fertig, dann mal zur Fähre. Ach warte, die fährt ja gar nicht mehr. Das kleine Schiffchen Dessi verkehrt nur bis zum 16. August, ja, ernsthaft. Und auf der Ölandsbrücke sind Fahrräder nicht erlaubt. Wie komme ich jetzt runter?
Hm, bei den gelben Bussen, die auf der Insel herumfahren, war doch die ganze Zeit so ein Gestänge hinten dran. Auch die Website besagt, dass alle Linien von Kalmar Länstrafik (außer der 500) zwei Fahrräder gratis mitnehmen, der Busfahrer hilft bei Bedarf gern und prüft die Befestigung vor Abfahrt. Soweit die Theorie.

Kostet nix, rostet fix:
Komische Radträger an Bussen
von Kalmar Länstrafik
Die Praxis sieht so aus: Ich stehe vor dem Supermarkt in der Sonne. Als der Bus nach Kalmar heranbrummt, gehe ich mit dem Rad schnurstracks nach hinten. Noch liegen die Stangen eng am Bus an, also greife ich danach und ziehe.
Es passiert folgendes: Nichts. Minutenlang stehe ich mitten in den Ausdünstungen des Auspuffs und ziehe, und irgendwann ist die Stange ziemlich verbogen, aber noch immer nicht ausgeklappt. Dabei bin ich ausnahmsweise mal absolut sicher, dass ich das Teil korrekt bedient habe, denn eine andere Möglichkeit ist wirklich nicht ersichtlich. Jedoch ist auch leicht ersichtlich, warum es nicht funktioniert: Im unteren Bereich ist die schwarze Verkleidung ab, und das Metall darunter ist gottlos verrostet. Ich laufe nach vorn, um den Fahrer um Hilfe zu bitten, aber ich ahne bereits, dass er mir auch nur sagen wird: Öh, dann musst du wohl auf den nächsten Bus warten. Damit überschätze ich ihn. Denn noch bevor ich die Fahrertür erreiche, braust der Bus davon.
Eine halbe Stunde später: Neuer Bus, neuer Versuch. Diesmal lässt sich das Gestänge ausklappen und das Rad draufhängen. Der Fahrer kommt sogar raus, guckt kurz, streckt den Daumen nach oben und öffnet sogar noch den Gepäckraum, damit ich die Taschen nicht nach oben schleppen muss.
Aber so ganz wohl ist mir trotzdem nicht. Denn das Rad liegt da einfach so auf den Stangen, ohne jede Befestigung, abgesehen von einem kläglichen Gummiseil, das ich noch schnell improvisiert habe. Im Vergleich zu den ganzen Sicherungen bei privaten Fahrradträgern oder Flixbussen ist das ein schlechter Scherz. Und dieser Vergleich ist absolut legitim, weil auch Kalmar Länstrafik oft längere Strecken über Autobahnen fährt. Was, wenn das Rad bei Tempo 100 runterfällt? Der einzige Schutz dagegen ist, dass die Stangen am Ende minimal nach oben gebogen sind. Die rostige Erfahrung von vorhin steigert mein Vertrauen in die Konstruktion auch nicht gerade. Und als wir auf die Brücke drauffahren, bekomme ich noch einen Schreck.
Was zum Knick: Ölandsbron

Die Ölandsbrücke ist ein plumper Betonklotz und hat nichts von der Eleganz der dänischen Sundbrücken, auch wenn sie prinzipiell ähnlich aufgebaut ist: Der größte Teil erstreckt sich flach über dem Wasser, dann geht die Fahrbahn einmal kurz hoch, damit die Schiffe durchkommen, und zum Schluss wird die Brücke von der Mini-Insel Svinö gestützt. (Diese Insel ist schon Teil der Parklandschaft von Kalmar und für Radler und Fußgänger über eine Holzbrücke zu erreichen.) Der Grund, warum ich mich erschrecke, ist: Die erhöhte Durchfahrtstelle für die Schiffe ist keine geschwungene Hängebrücke oder so was. Sie sieht aus, als hätte jemand einfach gegen beide Enden der Brücke gedrückt, bis in der Mitte ein Stück zerbricht und als Dreieck in die Höhe schnellt. Und bei diesem steilen Anstieg soll das Fahrrad nicht runterrutschen?
Machen wir es kurz: Aus der Nähe betrachtet war der Anstieg gar nicht so steil, ich und mein Rad stiegen wohlbehalten am Bahnhof Kalmar aus. Dank dieser Busse ist die Insel Öland also doch ganzjährig per Rad erreichbar. Aber bringen Sie starke Befestigungsgurte oder starke Nerven mit - und genug Zeit, falls der nächste Radträger gerade rostig oder schon besetzt sein sollte.


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